Das OSI-Modell

Das OSI-Modell erklärt.

Das OSI-Modell (Open Systems Interconnection Modell) ist ein standardisiertes Modell, das entwickelt wurde, um das Verständnis und die Entwicklung von Netzwerkprotokollen zu erleichtern. Es beschreibt die Netzwerkkommunikation in sieben abstrakten Schichten, wobei jede Schicht spezifische Funktionen und Aufgaben erfüllt. Das Modell dient als Referenzrahmen und Konzept, nicht als strikte Implementierungsanleitung.

Das OSI-Modell ist in der Tat ein wichtiger Bestandteil der Netzwerktheorie und dient als Referenz für das Verständnis, wie verschiedene Netzwerkprotokolle und -dienste interagieren. Jede der sieben Schichten hat eine spezifische Funktion und stellt sicher, dass die Netzwerkkommunikation effizient und zuverlässig ist.

OSI-Modell Schichten Übersicht:

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Hauptzwecke des OSI-Modells:

  1. Standardisierung: Es hilft der Industrie, standardisierte Netzwerkprotokolle zu entwickeln, die eine Interoperabilität zwischen unterschiedlichen Produkten und Technologien gewährleisten.
  2. Modularität: Durch die Aufteilung der Netzwerkkommunikation in Schichten können Entwickler und Ingenieure sich auf eine bestimmte Ebene des Netzwerks konzentrieren, ohne sich um die anderen Ebenen kümmern zu müssen. Änderungen in einer Schicht wirken sich normalerweise nicht auf andere Schichten aus.
  3. Verständnis und Troubleshooting: Das OSI-Modell bietet ein Framework, um Netzwerkprobleme systematisch zu analysieren und zu diagnostizieren, indem es erlaubt, das Problem auf eine bestimmte Schicht oder mehrere Schichten zu isolieren.
  4. Vergleich von Technologien: Das Modell ermöglicht es, verschiedene Netzwerktechnologien oder -protokolle zu vergleichen und zu kategorisieren, indem es klare Funktionen für jede Schicht definiert.
  5. Bildung und Training: Für Studierende und Fachleute, die Netzwerke lernen oder sich in diesem Bereich fortbilden, bietet das OSI-Modell eine strukturierte und logische Herangehensweise, um die Komplexität von Netzwerken zu verstehen.

In der Praxis entsprechen nicht alle Netzwerkprotokolle oder -architekturen strikt dem OSI-Modell. Das bekannteste Beispiel ist das TCP/IP-Modell, das in der realen Welt weit verbreitet ist und weniger Schichten als das OSI-Modell aufweist. Dennoch bleibt das OSI-Modell ein zentrales Konzept in der Netzwerktheorie und -ausbildung. Es hilft, die unterschiedlichen Aspekte der Netzwerkkommunikation zu verstehen und zu organisieren.

OSI Modell Schichten erklärt

1. Physische Schicht (Physical Layer)Die physische Schicht (Physical Layer) des OSI-Modells ist die grundlegendste Schicht und hat folgende Hauptverantwortlichkeiten:

Bitübertragung: Sie sorgt für die Übertragung von rohen Bits über ein Medium, wie z.B. ein Kupferkabel, Glasfaser oder eine Funkverbindung.

Signalisierung: Sie legt fest, wie die Daten als elektrische oder optische Signale dargestellt werden. Das kann zum Beispiel die Spannung, die Frequenz oder die Lichtintensität betreffen.

Physische Topologie: Sie definiert, wie Netzwerkgeräte physikalisch miteinander verbunden sind, z.B. in einem Stern-, Bus- oder Ringnetz.

Bitrate: Die physische Schicht bestimmt, mit welcher Rate Daten übertragen werden können, z.B. 100 Mbps, 1 Gbps usw.

Physische Medien: Die Wahl des Übertragungsmediums (z.B. Twisted-Pair-Kabel, Koaxialkabel, Glasfaser) und dessen Eigenschaften fallen in den Zuständigkeitsbereich dieser Schicht.

Hardwaregeräte: Zu den Geräten, die typischerweise mit der physischen Schicht in Verbindung stehen, gehören Hubs, Repeater, Netzwerkadapter, Modems und andere Übertragungsmedien.

Es ist wichtig zu beachten, dass die physische Schicht nichts mit der Formatierung der Daten oder deren Bedeutung zu tun hat. Sie kümmert sich lediglich darum, wie die Daten als Signale über das Medium übertragen werden. Das Konzept und der Aufbau der Datenpakete, Frames und andere strukturierte Formate werden von den darüberliegenden Schichten des OSI-Modells behandelt.

2. Datenverbindungsschicht (Data Link Layer)

Die Datenverbindungsschicht (Data Link Layer) ist für die zuverlässige Übertragung von Datenpaketen innerhalb eines lokalen Netzwerks verantwortlich und verfügt über mehrere Hauptfunktionen:

Rahmenbildung (Framing): Daten, die von höheren Schichten empfangen werden, werden in Paketen oder „Frames“ verpackt, die zusätzliche Informationen wie Header und Footer enthalten.

Physische Adressierung (MAC-Adressierung): Jedes Gerät in einem Netzwerk hat eine eindeutige Media Access Control (MAC) Adresse. Die Datenverbindungsschicht verwendet diese MAC-Adressen, um zu bestimmen, von welchem Gerät ein Frame stammt und an welches Gerät er gesendet werden soll.

Fehlererkennung und -korrektur: Beim Senden von Daten können Fehler auftreten. Diese Schicht fügt Mechanismen wie den Cyclic Redundancy Check (CRC) hinzu, um Fehler zu erkennen und gegebenenfalls zu korrigieren.

Flusskontrolle: Um sicherzustellen, dass der sendende Knoten den empfangenden Knoten nicht mit zu vielen Daten überflutet, gibt es Mechanismen zur Flusskontrolle.

Zugriffssteuerung: In Netzwerken, in denen viele Geräte vorhanden sind und auf dasselbe Medium zugreifen, regelt die Datenverbindungsschicht, welches Gerät zu welchem Zeitpunkt senden kann. Ein bekanntes Protokoll für diese Zugriffskontrolle ist z.B. CSMA/CD, das bei Ethernet verwendet wird.

Schaltfunktion (Switching): Netzwerk-Switches arbeiten auf der Datenverbindungsschicht, um Datenframes basierend auf MAC-Adressen weiterzuleiten.

Unterteilung in Subschichten: Häufig wird die Datenverbindungsschicht in zwei Subschichten unterteilt – Logical Link Control (LLC), die sich um die Rahmenbildung, Flusskontrolle und Fehlerkontrolle kümmert, und Media Access Control (MAC), die für die Adressierung und den Zugriff auf das Medium verantwortlich ist.

Durch diese Funktionen ermöglicht die Datenverbindungsschicht eine zuverlässige Kommunikation zwischen Geräten in einem lokalen Netzwerk, indem sie nicht nur die Übertragung von Daten, sondern auch die Integrität und den Fluss der Daten sicherstellt.

3. Netzwerkschicht (Network Layer)

die Netzwerkschicht (Network Layer) spielt eine entscheidende Rolle in der Netzwerkkommunikation. Hier sind einige der Hauptfunktionen und -konzepte dieser Schicht:

Routing: Dies ist die Prozess, durch den Datenpakete von ihrem Ursprung zu ihrem endgültigen Ziel geleitet werden, möglicherweise durch mehrere Zwischennetzwerke. Router analysieren die Ziel-IP-Adresse eines Pakets und bestimmen den besten Pfad, um es an sein Ziel zu senden.

Logische Adressierung: Wie Sie bereits erwähnt haben, ist die IP-Adresse ein zentrales Element dieser Schicht. Jedes Gerät in einem IP-Netzwerk hat eine eindeutige IP-Adresse, die sowohl Informationen über das Netzwerk als auch das spezifische Gerät in diesem Netzwerk enthält.

Fragmentierung und Reassemblierung: Große Datenpakete, die nicht durch bestimmte Netzwerkmedien übertragen werden können, werden in kleinere Fragmente aufgeteilt. Am Ziel werden diese Fragmente wieder zusammengesetzt.

Fehlererkennung und -bericht: Während die Fehlerkorrektur in der Regel in anderen Schichten durchgeführt wird, ist die Netzwerkschicht für die Erkennung von Fehlern und gegebenenfalls für die Generierung von Fehlermeldungen verantwortlich, z. B. über das Internet Control Message Protocol (ICMP).

Netzwerkverbindung: In einigen Netzwerken, insbesondere in Verbindung mit dem OSI-Modell, kann die Netzwerkschicht auch für den Aufbau, die Verwaltung und den Abbau von Netzwerkverbindungen verantwortlich sein.

Decapsulation: Wenn ein Datenpaket von der Datenverbindungsschicht empfangen wird, entfernt die Netzwerkschicht den Header der Datenverbindungsschicht, um den Netzwerkheader und die darin enthaltenen Daten zu verarbeiten.

Routing-Protokolle: Es gibt verschiedene Routing-Protokolle, die von Routern verwendet werden, um den besten Pfad für ein Paket zu bestimmen, z. B. OSPF, EIGRP, BGP und RIP.

Zusammenfassend stellt die Netzwerkschicht sicher, dass Datenpakete korrekt zwischen verschiedenen Netzwerken geroutet werden, unabhängig davon, wie und wo diese Netzwerke physisch verbunden sind. Es ermöglicht die globale Kommunikation, die das Internet zu dem macht, was es heute ist.

4. Transportschicht (Transport Layer)

Die Transportschicht spielt eine entscheidende Rolle in der Netzwerkkommunikation, insbesondere wenn es um End-to-End-Kommunikation zwischen zwei Geräten geht. Hier sind einige der Hauptfunktionen und Konzepte der Transportschicht:

End-to-End-Kommunikation: Während andere Schichten sich auf die Kommunikation zwischen benachbarten Knoten oder innerhalb von Netzwerken konzentrieren, gewährleistet die Transportschicht eine Kommunikation von einem Endgerät zum anderen über das gesamte Netzwerk hinweg.

Flusskontrolle: Sie stellt sicher, dass Daten mit einer Rate übertragen werden, die vom Empfänger verarbeitet werden kann. Dies verhindert die Überlastung des Empfängers.

Fehlererkennung und -korrektur: Durch Mechanismen wie Bestätigungen (ACKs) und Sequenznummern kann die Transportschicht bestimmen, ob Datenpakete verloren gegangen sind oder in der falschen Reihenfolge angekommen sind, und entsprechende Maßnahmen ergreifen.

Segmentierung und Reassemblierung: Große Datenmengen werden in kleinere Segmente unterteilt, die dann über das Netzwerk gesendet und am Zielort wieder zusammengesetzt werden.

Multiplexing durch Ports: Wie Sie richtig angemerkt haben, verwendet die Transportschicht Ports, um verschiedene Anwendungsprozesse auf einem einzelnen Gerät zu unterscheiden. Dies ermöglicht es, dass mehrere Anwendungen gleichzeitig Daten über das Netzwerk senden und empfangen können.

Verbindungsaufbau und -abbau: Bei verbindungsorientierten Protokollen wie TCP wird eine Verbindung zwischen Sender und Empfänger hergestellt, bevor Daten übertragen werden, und diese Verbindung wird am Ende der Kommunikation geschlossen.

Hauptprotokolle:

  • TCP (Transmission Control Protocol): Dies ist ein verbindungsorientiertes Protokoll, das eine zuverlässige Übertragung bietet. Es nutzt Bestätigungen, Wiedersendemechanismen und Flusskontrolle, um sicherzustellen, dass Daten korrekt übertragen werden.
  • UDP (User Datagram Protocol): Ein verbindungsloses Protokoll, das keine Garantie für die Lieferung bietet. Es ist einfacher und schneller als TCP, da es weniger Overhead hat.

Die Transportschicht spielt eine zentrale Rolle bei der Sicherstellung der korrekten Übertragung von Daten zwischen Endgeräten in einem Netzwerk. Sie bietet Mechanismen zur Fehlerkorrektur, Flusskontrolle und Datensegmentierung, die für viele Anwendungen und Dienste im Internet von entscheidender Bedeutung sind.

5. Sitzungsschicht (Session Layer)

Die Sitzungsschicht, oder Session Layer, ist dafür verantwortlich, Dialoge zwischen zwei Anwendungsprozessen zu organisieren und zu steuern, sodass Informationen in beide Richtungen fließen können. Hier sind einige der Hauptfunktionen und Aspekte der Sitzungsschicht:

Sitzungseröffnung, -steuerung und -beendigung: Die Schicht kann neue Sitzungen einrichten, bestehende Sitzungen verwalten und beenden, wenn sie nicht mehr benötigt werden.

Dialogsteuerung: Sie ermöglicht den Kommunikationspartnern, entweder nacheinander oder gleichzeitig Daten zu senden. Dies wird oft als „Duplexbetrieb“ bezeichnet.

Synchronisation: Während einer längeren Kommunikation kann es notwendig sein, Synchronisationspunkte festzulegen, um sicherzustellen, dass beide Seiten der Kommunikation synchron bleiben. Falls die Kommunikation danach fehlschlägt, können die Daten ab dem letzten Synchronisationspunkt erneut gesendet werden.

Token-Management: In einigen Sitzungsprotokollen werden Tokens verwendet, um sicherzustellen, dass beide Parteien nicht gleichzeitig sprechen.

Verwaltung von Datenströmen: Es kann auch für die Steuerung von Datenströmen zwischen den beiden Endpunkten einer Sitzung verantwortlich sein.

Es ist erwähnenswert, dass in vielen modernen Netzwerkprotokollstapeln, insbesondere in TCP/IP, viele der Funktionen der Sitzungsschicht entweder von der Anwendungsschicht oder von der Transportschicht übernommen werden. Das OSI-Modell ist ein idealisiertes Modell, und nicht alle seine Schichten sind in realen Protokollstapeln immer klar getrennt. Das bedeutet, dass nicht alle Netzwerkanwendungen oder -protokolle Funktionen verwenden, die direkt der Sitzungsschicht des OSI-Modells entsprechen.

6. Präsentationsschicht (Presentation Layer)

Die Präsentationsschicht, auch als Presentation Layer bekannt, ist die sechste Schicht des OSI-Modells und spielt eine Schlüsselrolle in der Vorbereitung der Daten für die Übertragung zwischen zwei Kommunikationssystemen. Hier sind einige der Hauptfunktionen und Merkmale dieser Schicht:

Datenformatierung und -transformation: Die Präsentationsschicht stellt sicher, dass die empfangenen Informationen in einem Format sind, das von der Anwendungsschicht verstanden werden kann. Dazu kann es notwendig sein, Daten von einem Format in ein anderes zu übersetzen, z.B. EBCDIC in ASCII.

Datenkomprimierung: Die Schicht kann Daten komprimieren, um die Übertragungseffizienz zu verbessern. Bei Empfang der Daten wird die Komprimierung rückgängig gemacht.

Datenverschlüsselung und -entschlüsselung: Zur Sicherung der Daten während der Übertragung können Verschlüsselungstechniken verwendet werden. Die Präsentationsschicht ist dafür verantwortlich, die Daten vor der Übertragung zu verschlüsseln und sie nach dem Empfang zu entschlüsseln.

Zeichensetzung und Codierung: Abhängig von den Kommunikationsanforderungen können verschiedene Zeichensätze (z. B. UTF-8, ISO 8859-1) und Codierungsregeln verwendet werden. Die Präsentationsschicht kann diese Unterschiede verwalten.

Grafikformate und Protokolle: Für spezifische Anwendungen, die mit Grafiken oder multimedialen Daten arbeiten, kann die Präsentationsschicht auch die Konvertierung von Grafikformaten oder speziellen Datenprotokollen durchführen.

Es ist wichtig zu betonen, dass viele moderne Anwendungsprotokolle, insbesondere in TCP/IP-basierten Netzwerken, diese Funktionen innerhalb der Anwendungsschicht selbst und nicht in einer getrennten Präsentationsschicht implementieren. Wie bei anderen Schichten des OSI-Modells ist die klare Trennung in realen Implementierungen nicht immer gegeben, aber das Konzept ist nützlich, um die verschiedenen Funktionen zu verstehen, die in einem Netzwerkprotokollstapel benötigt werden.

7. Anwendungsschicht (Application Layer)

Die Anwendungsschicht (Application Layer) ist die siebte und oberste Schicht des OSI-Modells. Sie bietet Anwendungen (d.h. Software), die von einem Endbenutzer verwendet werden, den Zugriff auf das Netzwerk und dessen Dienste. Hier sind einige der wichtigsten Funktionen und Merkmale dieser Schicht:

Endbenutzer-Schnittstelle: Die Anwendungsschicht ist die einzige Schicht des OSI-Modells, die direkt mit dem Endbenutzer interagiert. Sie stellt sicher, dass der Benutzer effektiv mit dem Netzwerk kommunizieren kann.

Anwendungsprotokolle: Diese Schicht enthält eine Vielzahl von Protokollen, die unterschiedliche Kommunikationsanforderungen erfüllen. Beispiele sind HTTP (für Webbrowser), FTP (für Dateiübertragung), SMTP (für E-Mail-Versand) und viele andere.

Netzwerkdienste: Zu den Diensten, die auf dieser Schicht angeboten werden, gehören Directory-Dienste zur Suche nach Informationen, Remote-Dateizugriff und -transfer, elektronische Nachrichtenübermittlung und Netzwerkverwaltung.

Datenübertragung: Einige Anwendungen erfordern die Übertragung von Daten in einem bestimmten Format. Die Anwendungsschicht kann Datenformate festlegen und sicherstellen, dass beide Enden der Kommunikation dieselben Formate verwenden.

Sitzungsverwaltung: Obwohl die Sitzungsschicht auch Sitzungsmanagementfunktionen bereitstellt, kann die Anwendungsschicht zusätzliche Funktionen zur Steuerung der Kommunikation zwischen den beiden Enden einer Kommunikation bieten.

Authentifizierung und Autorisierung: Diese Schicht kann Mechanismen zur Überprüfung der Identität eines Benutzers oder Systems bereitstellen, bevor Zugriff auf Netzwerkdienste gewährt wird. Sie kann auch festlegen, welche Aktionen ein authentifizierter Benutzer oder ein System durchführen darf.

Es ist wichtig zu betonen, dass in der realen Welt, insbesondere im TCP/IP-Modell, die Funktionen der Sitzungs-, Präsentations- und Anwendungsschicht oft in der Anwendungsschicht kombiniert werden. Das OSI-Modell dient jedoch als idealisiertes Rahmenwerk, um die unterschiedlichen Funktionen und Verantwortlichkeiten bei der Netzwerkkommunikation zu verstehen.

Das OSI-Modell dient vor allem als theoretisches Rahmenwerk. In der Praxis arbeiten viele Protokolle und Geräte auf mehreren Schichten gleichzeitig, und einige der OSI-Schichten können in der realen Anwendung verschmolzen sein. Das TCP/IP-Modell, das für das Internet und viele moderne Netzwerke verwendet wird, ist ein Beispiel für ein Modell, das weniger Schichten verwendet als das OSI-Modell. Es fasst einige der OSI-Schichten zusammen, um ein einfacheres und praktischeres Rahmenwerk zu bieten.

Das Konzept des „Kapselns“ und „Entkapselns“

Das Konzept des „Kapselns“ und „Entkapselns“ bezieht sich auf den Prozess, wie Daten durch die verschiedenen Schichten des OSI-Modells fließen, wenn sie von einer Anwendung auf einem Gerät an eine andere Anwendung auf einem anderen Gerät gesendet werden.

Kapseln (Encapsulation):

Wenn Daten von der Anwendungsschicht (Schicht 7) eines Geräts gesendet werden, durchlaufen sie einen Kapselungsprozess, während sie sich durch die Schichten des OSI-Modells nach unten bewegen:

  1. Anwendungsschicht (Schicht 7): Die Daten werden von der Anwendung generiert und an die nächste Schicht gesendet.
  2. Präsentationsschicht (Schicht 6): Diese Schicht kann Daten transformieren (z.B. durch Verschlüsselung oder Kompression) und sie dann weitergeben.
  3. Sitzungsschicht (Schicht 5): Sitzungsinformationen werden hinzugefügt, um die Kommunikation zwischen den beiden kommunizierenden Geräten zu steuern.
  4. Transportschicht (Schicht 4): Hier werden die Daten in Segmente aufgeteilt und Header-Informationen, wie z.B. Portnummern und Sequenznummern, hinzugefügt.
  5. Netzwerkschicht (Schicht 3): Ein weiterer Header, der Informationen wie die IP-Adresse des Senders und des Empfängers enthält, wird hinzugefügt. Die Daten werden jetzt als „Pakete“ bezeichnet.
  6. Datenverbindungsschicht (Schicht 2): Hier wird ein weiterer Header und ein Footer hinzugefügt, der MAC-Adressen und Fehlerüberprüfungsinformationen enthält. Die Daten werden als „Frames“ bezeichnet.
  7. Physische Schicht (Schicht 1): Die Frames werden in Bits umgewandelt und physisch über das Medium (z.B. Kabel oder Funkwellen) übertragen.

Entkapseln (Decapsulation):

Wenn die Daten das Zielgerät erreichen, durchlaufen sie einen Entkapselungsprozess, bei dem die hinzugefügten Header und Footer von jeder Schicht entfernt werden:

  1. Physische Schicht: Die empfangenen Bits werden in Frames umgewandelt.
  2. Datenverbindungsschicht: Der Header und Footer dieser Schicht werden entfernt, und die Daten werden als Pakete bezeichnet.
  3. Netzwerkschicht: Der IP-Header wird entfernt, und die Daten werden nun als Segmente betrachtet.
  4. Transportschicht: Der Transportheader wird entfernt, und die Daten werden an die nächsthöhere Schicht weitergeleitet.
  5. Sitzungsschicht, Präsentationsschicht und Anwendungsschicht: Die Daten durchlaufen diese Schichten, wobei alle spezifischen Funktionen jeder Schicht (wie z.B. Dekomprimierung oder Entschlüsselung) angewendet werden, bevor die Daten schließlich der Anwendung auf dem Empfangsgerät präsentiert werden.

Zusammenfassend kann man sagen, dass beim Kapselungsprozess jeder Schicht des OSI-Modells spezifische Informationen (in Form von Headern oder Footern) zu den Daten hinzugefügt werden, während beim Entkapselungsprozess diese Informationen entfernt werden.

Kapselung im OSI Modell

Die Kommunikation zwischen zwei Rechnern

Die Kommunikation zwischen zwei Rechnern unter Verwendung des OSI-Modells kann als eine Serie von Interaktionen zwischen den einzelnen Schichten betrachtet werden. Dieser Prozess, oft als „Kapselung“ bezeichnet, beginnt bei der obersten Schicht (Anwendungsschicht) des sendenden Rechners und bewegt sich abwärts bis zur untersten Schicht (Physische Schicht), bevor die Daten über das Netzwerk übertragen werden. Beim empfangenden Rechner geschieht der umgekehrte Prozess, oft als „Entkapselung“ bezeichnet.

Interaktion der Schichten

1. Anwendungsschicht (Application Layer):

  • Der sendende Rechner erzeugt eine Anfrage oder Daten, die über das Netzwerk gesendet werden sollen. Dies könnte eine HTTP-Anfrage oder eine E-Mail-Nachricht sein.
  • Der empfangende Rechner interpretiert und präsentiert die empfangenen Daten oder Anfragen für die Anwendung oder den Endbenutzer.

2. Präsentationsschicht (Presentation Layer):

  • Daten werden in ein standardisiertes Format umgewandelt. Dazu gehören auch Funktionen wie Datenkompression oder -verschlüsselung.
  • Beim empfangenden Rechner werden die Daten dann zurück in ihr ursprüngliches Format umgewandelt, etwa durch Entschlüsselung.

3. Sitzungsschicht (Session Layer):

  • Eine Sitzung wird zwischen den beiden Rechnern etabliert. Dies ermöglicht ihnen, Daten in einer organisierten und synchronen Weise auszutauschen.
  • Beim Empfang wird sichergestellt, dass die Sitzung korrekt gehandhabt wird und Daten korrekt zugeordnet werden.

4. Transportschicht (Transport Layer):

  • Daten werden in Segmente aufgeteilt und es werden Kopfzeilen hinzugefügt, um die korrekte Reihenfolge und Übertragung sicherzustellen.
  • Der empfangende Rechner nutzt diese Kopfzeilen, um die Daten wieder zusammenzusetzen und Fehler zu prüfen.

5. Netzwerkschicht (Network Layer):

  • Die Datenpakete erhalten eine Kopfzeile mit IP-Adressen, um ihre Quelle und ihr Ziel zu identifizieren.
  • Der empfangende Rechner verwendet diese Adressinformationen, um die Pakete entsprechend zu leiten.

6. Datenverbindungsschicht (Data Link Layer):

  • Daten werden in Frames mit MAC-Adressen verpackt, die die physische Adresse des sendenden und empfangenden Geräts enthalten.
  • Der empfangende Rechner verwendet die MAC-Adresse, um den Frame zu interpretieren und festzustellen, ob er für ihn bestimmt ist.

7. Physische Schicht (Physical Layer):

  • Daten werden in elektrische Signale oder andere Übertragungsmedien (z. B. Licht für Glasfaser) umgewandelt und über das Netzwerk übertragen.
  • Beim empfangenden Rechner werden diese Signale zurück in digitale Daten umgewandelt.

Durch diesen Prozess wird sichergestellt, dass Daten effektiv und korrekt zwischen den beiden Rechnern übertragen werden, auch wenn sie über verschiedene Netzwerke oder große Entfernungen hinweg gesendet werden. Jede Schicht fügt ihre eigenen spezifischen Informationen und Funktionen hinzu und entfernt sie dann wieder beim Empfang, um die Daten korrekt an die nächsthöhere Schicht weiterzugeben.

Sonstiges

Marcel
Marcelhttps://bitjunkie.org
Hallo! Ich bin Marcel, der Gründer von bitjunkie.org. Mit über einem Jahrzehnt Erfahrung in der Netzwerktechnik und einer tiefen Leidenschaft, die ich seit mehr als 13 Jahren in diesem faszinierenden Technologiebereich verfolge, freue ich mich, mein Wissen mit Ihnen zu teilen. Auf meiner Website biete ich Ihnen kostenlos Einblicke und Hilfestellungen, um die Welt der Netzwerke besser zu verstehen. Falls Sie meine Arbeit wertschätzen, freue ich mich natürlich über einen gesponserten Kaffee als kleine Anerkennung.

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